Der Tod des alten Kinos

Von Andreas Borutta

Jeder Filmfan, der sich noch an die alte Kinolandschaft erinnern kann und sich die heutige Situation vors Auge führt, wird zugeben müssen, dass sich im Kinoangebot eine ganze Menge verändert hat.

Früher gab es keine Multiplexe, also keine Kinohäuser wie heute, die oftmals über 10 Leinwände verfügen, sondern es gab verschiedene Arten von Kinos, die wie ein Netz über die ganze Stadt verteilt waren. Da gab es zur Stadtmitte hin grosse Kinopaläste, in denen die neuesten Premieren gefeiert wurden.

Bis in die späten Achziger Jahre hinein wurden hier noch Premieren in 70mm Format gezeigt - leider nicht mehr als Original in 70 mm gedrehte Filme, sondern nur als Blow up. Aber auch diese von 35 mm auf 70 mm aufgeblasenen Filme waren auf der grossen Leinwand prächtig anzusehen. Es gab zu der damaligen Zeit noch keinen Digitalton, und so war der Sechskanalton der 70 mm Kopien ohne Alternative, wenn man den Film in der bestmöglichen Bild- und Tonqualität erleben wollte. Grosse Kinos hatten oft einen Balkon, so dass Kinos mit annähernd 1000 Sitzplätzen keine Seltenheit waren.

In den Stadtteilen gab es oft kleinere Kinos, die aber auch oft 300 und mehr Plätze hatten. Hier liefen die kleineren Premieren ausschliesslich in 35 mm. Außerdem konnte man hier ältere Filme wieder sehen, die schon lange nicht mehr im Kino liefen. In den neuen Programmkinos lief ein wilder Mix aus anspruchsvollen neueren Titeln sowie viele alte Klassiker. Es wurden in den Sechzigern viele Kleinverleihe gegründet, die oft nur wenige Titel im Programm hatten, darunter aber viele bekannte Filme. Zum Beispiel gab es den amerikanischen Filmklassiker „Love is a many splendored thing“ mit William Holden und Jeniffer Jones, zu deutsch „Alle Herrlichkeit auf Erden“, original ein Centfox Titel aus dem Jahr 1955, jetzt neu herausgebracht durch den Mercator Filmverleih von Bodo Gaus. Durch dieses Nebeneinander von aktuellen Titeln sowie alten Klassikern in Wiederaufführung stand dem damaligen Filmfan ein riesiges Filmangebot ständig zur Verfügung, das kaum zu bewältigen war. Viele W.A. Titel liefen nur wenige Tage, so dass man schnell einen lange gesuchten Film verpassen konnte. Das damalige Filmangebot musste auch so reichhaltig sein, da im Gegensatz dazu das Heimkino kaum ein Thema war. Die Kurzfassungen der Siebziger Jahre entsprachen eben nicht der original Kinofassung, waren aber unverschämt teuer. Dafür waren sie oft im falschen Format und natürlich unscharf. Aber es gab nichts anderes. Wer konnte sich schon eine 16 mm Kopie leisten? Dank der Bandbreite des damaligen Filmangebotes gab es zum Kino eben keine Alternative.

 

 

Mit den wirtschaftlichen Problemen der siebziger Jahre kam auch das Kinosterben ins Land. Die grossen Innenstadtkinos wurden nach und nach umgebaut. Die Balkone fielen weg, die Schachtelkinos hielten ihren Einzug in die hiesige Kinolandschaft. Viele Kleinverleihe konnten sich nicht mehr halten und verschwanden, in den Vorstädten verschwanden danach auch die Stadtteilkinos. Ab 1979 kam die Video Technik auf den Markt und wurde binnen weniger Jahre zum Massenmedium. Der Super 8 mm Heimfilm konnte sich gegen die neu entstandene Konkurrenz nicht durchsetzen und verschwand nach einer beispiellosen Ausverkaufsaktion von der Bildfläche. Da die Kleinverleihe nicht mehr existierten, gab es folgerichtig kaum noch alte Filme im Kino zu sehen. Man konnte ja zur Videokassette greifen und sich jeden Film zu Hause auf dem Fernseher anschauen. Einzig Disney brachte noch Wiederaufführungen seiner Klassiker in die Kinos, aber auch Disney lies bald davon ab. In den Programmkinos liefen schliesslich nur noch Erstaufführungen kleinerer Verleihe, und in den Städten wurden die ersten Multiplexe gebaut. So hat sich nach und nach die Kinolandschaft komplett geändert.

 

Heute ist der Heimkinomarkt dank innovativer Technik ein blühender Geschäftszweig. Es gibt ein unübersehbares Massenangebot an Filmen aller Art einschliesslich vieler Klassiker auf DVD und neuerdings auch auf Blue Ray Disk. Alte Filme schaut man heutzutage bequem im Wohnzimmer an. Das Multiplex in der Innenstadt bringt die allerneuesten Filme in 3D, und das alte Kino unserer Erinnerung ist endgültig tot.

Doch wenn Sie dies bedauern, und noch einmal Ihre Erinnerung an das alte Kino wieder aufleben lassen wollen, vielleicht sprechen Sie ja mal mit CINEASTISCH TV. Vielleicht lässt sich ja da was machen.

 

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